Ausgabe 1 – 12. August 2026
BETREFF: Der Abend, an dem ich verstanden habe, warum ich das hier mache
Hallo,
Ich sitze vorm Fernseher, zappe rum – und bleibe bei einer Sendung hängen, die “The Swan” heißt. Menschen lassen sich freiwillig unters Messer legen, um einem Ideal näherzukommen, das ihnen jemand anderes vorgegeben hat. Für die meisten war das wahrscheinlich einfach nur schräges TV. Für mich war’s ein Schlag in die Magengrube.
Ich hab mir eine Frage gestellt, die ich seitdem nicht mehr losgeworden bin: Warum glaubt ein gesunder Mensch, jemand anderes werden zu müssen?
Die Frage hat mich deshalb so getroffen, weil mein eigenes Leben bis dahin komplett anders lief. Ich musste nicht entscheiden, meinen Körper zu verändern – ich musste akzeptieren, dass er sich verändert, ohne dass mich einer gefragt hat. Mit 20 hatte ich Krebs. Mit 21 noch mal. Operationen, Chemo, das ganze Programm. Ende 2005, kurz davor, kam noch die Diagnose Multiple Sklerose obendrauf.
Und dann sitze ich da vorm Fernseher und sehe Menschen, die sich freiwillig verändern wollen – während ich gerade lerne, mit einem Körper zu leben, der sich ohne mein Okay verändert hat.
Aus der Irritation wurde eine Frage. Aus der Frage eine Haltung. Aus der Haltung irgendwann “we are real” – und viel später uneaque. Ehrlich gesagt hat’s danach trotzdem noch Jahre gedauert, bis aus der Haltung auch wirklich was Konsequentes wurde. Zwischendurch hab ich mich selbst noch mal ziemlich lang aus den Augen verloren – dazu ein andermal mehr.
Warum ich dir das gleich in der ersten Mail erzähle, statt mit einem knackigen Tipp reinzukommen? Weil dieser Storyletter genau davon handeln soll: nicht von Tipps, sondern von den Momenten, die wirklich was verändert haben. Und weil ich finde, du solltest wissen, wer dir hier schreibt, bevor ich dir irgendwas erzähle über “das eigene Leben leben”.
Eine Frage zum Schluss, ganz ohne Hintergedanken: Gab’s bei dir auch so einen Moment – vielleicht nicht vorm Fernseher, aber irgendwo –, an dem dir plötzlich klar wurde, wonach du eigentlich fragen solltest? Du kannst einfach auf diese Mail antworten, ich lese wirklich alles.
Bis in ungefähr zwei Wochen – außer es gibt gerade nichts Echtes zu sagen, dann dauert’s halt ein bisschen länger.
Benni